Auftritt 1:
Ein Wissenschaftler:
„Guten Abend...Ich habe meine Ausbildung als Mikrobiologe....“, etc....
Ungefähr 20 Sekunden sind vergangen.
Marten Spangberg gibt also den Xavier Le Roy, der den Xavier Le Roy gibt, und ich darf die Produkte der Umstände, die zu Xaviers Choreographendasein geführt haben, noch einmal bei einem Stellvertreter besuchen. – „Product of Circumstances“ revisited.
Hm. Mal sehn, wie lange er’s exerziert.
Next.
Auftritt 2:
Ein Romantiker.
Es folgt eine absurde, übertriebene, pathetisch- komische Rede über Compassion, Desire, Love, International Fame.
Ungefähr 1 Minute ist vergangen.
Ich spekuliere: here comes fishing for Hollywood. Oder war es doch Bush? Oder der Papst? –
Was ist hier los?
Wer soll sterben?
Eine DVD wird eingeschoben.
Ach so, George Clooney!
Schade, das hätte der Anfang einer wunderbaren Lecture Performance sein können...
Next.
Auftritt 3:
Ein Philosoph.
Lacan desire. Ein wichtiger Moment. Lacan. Achtung. Lacan? Oder Desire?
„Thinking is a spectacle, philosophy a show“. –
Verstehe... ich wäre an dieser Stelle jetzt auch verzweifelt.
Ungefähr 45 Sekunden sind vergangen.
Weiter mit Lacan. Nerv. Der muss aber auch für alles im Theater herhalten...
Eine DVD wird eingeschoben.
Ach! - Kevin Spacey als Lacanianer? – Ich liebe Kevin Spacey – Film besorgen!
Komischerweise klingt Lacan bei Kevin Spacey plötzlich viel interessanter. (Buch besorgen?)
Junge, Junge!
Next.
Ein Kalauer jagt den nächsten.
Eine Le(h)ere jagt die nächste.
Ein Stellvertreter jagt den nächsten.
Eine Ausrede jagt die nächste.
Ein Lehmann ist aber in diesem Fall keine gute Ausrede, man sollte besser immer einen richtig guten Witz auf Lager haben, wenn man irgendwo zu Besuch ist.
Fishing for Hollywood, fishing for Lacan, fishing for pop, fishing for excuses –
Eine Ausrede für was? Eine Leere für was?
Who the fuck he thinks he is?
„Everyday I put on my face to meet the people that I meet“ , sagte mal T.S. Elliot.
Performance kann Lecture sein und Lecture kann Performance sein.
So what?
Warum sollte es interessant sein, Loop für Loop um abgelegte Neuigkeiten und abgesicherte Terrains herum zu samplen, bzw. zu „performen“ und sich dabei über irgendwas von ungefähr lustig zu machen?
Ist das schon Utopie?
Wovor haben Second Hand Designer Angst? – Vor der missglückten Montage.
Aber da geht es ihnen nicht besser, wie allen anderen Kreativen dieser Welt auch.
Nur war dieses eher die verzweifelt ausgeklügelte Demonstration eines dramaturgisch-korrekten Ideen-Recyclings, ohne Nähe zum Thema, ohne innere Überzeugung.-
Oder hab ich was verpasst?
Sind Begriffe käuflich?
Kann man so einfach etwas mit A belegen obwohl es B meint?
Ist es immer schon von vorneherein klar, dass, wenn man etwas kauft, der entsprechende Inhalt nicht drin ist?
Muss ich in Zukunft immer sofort einschlafen, wenn ich an einem Schild vorbeikomme, auf dem „Powered by Emotion“ steht?
Anyway.
Besserwissen zu simulieren, kann ja auch eine Strategie sein, man nennt das manchmal auch „die Erwartungshaltung des Publikums brechen“ – Never feed a dying horse. Bewegen sie sich nicht von der Stelle, es könnte Unerwartetes geschehen. Beantworten sie alle Fragen immer erst mal mit nein. Verlassen sie sich auf ihre alten Tricks. So kommen sie gesund durch den Tag.
Aber schlauness allein reicht nicht.