"Maybe theory is biography, presenting it is a lecture, and doing a lecture is performing.
Thank you for your attention. I'd be glad to answer any questions you might have."
(Xavier Le Roy)
Lecture performances have become a popular artistic format in recent years. Even though formally quite limited they offer unique and complex possibilites and challenges: Lecture as performance, reflection as self reflection, content as form, language as action. This blog accompanies the series of lecture performances, organized by Unfriendly Takeover in Frankfurt. Please feel free to post comments, critique, essays, bibliographies or just short remarks around the genre of lecture performances. As an continuing, ever changing definition in progress.

(1) Die Lecture Performance zwischen wissenschaftlicher Autorität und künstlerischer Performanz

A few thoughts about ‘the’ lecture performance format… (to be continued)

Die lecture, als wissenschaftliche Rede, die in ihrem Vollzug gleichsam Wissenschaft konstituiert, scheint für Kunstschaffende aller Disziplinen ein interessantes Feld zu sein: Der Kunstschaffende begibt sich ans Vortragspult des Wissenschaftlers und (be)treibt einen Grenzgang zwischen Rede und Demonstration, zwischen Diskurs und Erzählung, der kritisch und spielerisch zugleich die scheinbar klaren Trennungen zwischen Wissenschaft und Kunst verwischt. Denn die Lecture Performance nutzt die Autorität des wissenschaftlichen Vortrags nicht nur, sondern unterläuft sie zugleich. Dies geschieht entweder durch die Kontextualisierung der Lecture in einer (künstlerischen) Disziplin (Tanz, Theater, Bildende Kunst, Musik, etc.), was Auswirkungen af Konventionen der Darstellung oder Erwartungshaltungen von Rezipienten hat. Obwohl der kontextuelle (künstlerische) Rahmen nur andeutungsweise oder punktuell aufgerufen wird und sich dadurch nicht voll konstitutiert (als Beispiel seien die kurze tänzerischen Passagen in Xavier Le Roys Product of Circumstances angeführt), läuft dieser dennoch der wissenschaftlichen Rahmung entgegen. Von einer Kontextualisierung kann aber auch abgesehen werden (vgl. Adsense von a rose is am 8. Dezember 2004 oder Marten Spangbergs Extra Clear Power am 8. Juli 2004 im AtelierFrankfurt), aber auch dann kontrastiert die suchende und selbstreflexive Erprobung des Künstlers die autoritative und objektivierte theoretische Performance von Wissen im wissenschaftlichen Vortrags, mit der sie konkurriert und zugleich spielt.
Die Lecture Performance ist damit durch das Spannungsverhältnis der in ihrem Doppelnamen versteckten Rahmungen gekennzeichnet.