"Maybe theory is biography, presenting it is a lecture, and doing a lecture is performing.
Thank you for your attention. I'd be glad to answer any questions you might have."
(Xavier Le Roy)
Lecture performances have become a popular artistic format in recent years. Even though formally quite limited they offer unique and complex possibilites and challenges: Lecture as performance, reflection as self reflection, content as form, language as action. This blog accompanies the series of lecture performances, organized by Unfriendly Takeover in Frankfurt. Please feel free to post comments, critique, essays, bibliographies or just short remarks around the genre of lecture performances. As an continuing, ever changing definition in progress.

(2) Die Lecture Performance als imaginäre Bühne.

A few thoughts about ‘the’ lecture performance format… (to be continued)

Die doppelte Rahmung durch das Format des Vortrags und das künstlerischer Disziplinen hat zur Folge, dass die Lecture Performance zwischen Verkörpern und Berichten, Erzählen und Darstellen, Spielen und Vortragen, Vollzug und Erklärung oszilliert. Das explizite Kokettieren mit einem ‚performativem Dilettantismus’ im ausgestellten und direkt an die Zuschauer adressierten Nicht-Spiel stellt die eingeschränkte darstellerische Dimension des Vortragenden zur Schau (erst seit jüngster Zeit wissen erst Politiker und jetzt auch Wissenschaftler, wie wichtig es ist, sich (selbst) zu inszenieren und in der Öffentlichkeit eine gute ‚Performance’ zu zeigen). Die Lecture Performance ist eine Form der Präsentation, die im Zeigen und im Gezeigten Dilettantismus zulässt und Fehler und Fehlerquellen einbezieht – und sich dabei zwischen Nachlässigkeit, Unvermögen und expliziter Verneinung bewegt. Dies wird beispielsweise in Marten Spangbergs Extra Clear Power (am 8. Juli 2004 im AtelierFrankfurt) deutlich.
Damit ist die Lecture Performance, wie ihr Doppelname abzeigt, eine ‚Zwittergattung’, die sich im Spannungsfeld von ‘poor’ oder ‘conceptual theatre’ und ‘minimal art’ bewegt und die Unmöglichkeit von Nachahmung und zugleich das Zeigen der Möglichkeit mitreflektiert.
Der Möglichkeitsraum der Lecture Performance wird darum häufig für das Ausprobieren eigener, mitunter recht abstruser Theorien im Spiel zwischen Fakt und Fiktion, genutzt (vgl. erneut die Lecture Performance von Marten Spangberg). Immer aber wird der Text wird zur Bühne, ein Prinzip, dessen paradoxe Bühnenwirksamkeit Forced Entertainments Produktionen Dirty Work oder A Decade of Forced Entertainment hervorragend unter Beweis stellen.
Der imaginative Raum, den die Lecture Performance öffnet, macht in der Verbindung von Theorie und Praxis den Text zur Bühne und die Rede zu einem Geschichten Erzählen, das keinen Überblick und keine Geschlossenheit mehr fingiert. Dem Modus der Lecture Performance ist damit eine Absage an Repräsentation inhärent, was – wie Pirkko Husemann (am 5. August 2004 im AtelierFrankfurt und in ihren Theoriebeitragen in diesem Forum) überzeugend ausgeführt hat – für Kunstschaffende aller Disziplinen die Attraktivität des Formats ausmacht.