"Maybe theory is biography, presenting it is a lecture, and doing a lecture is performing.
Thank you for your attention. I'd be glad to answer any questions you might have."
(Xavier Le Roy)
Lecture performances have become a popular artistic format in recent years. Even though formally quite limited they offer unique and complex possibilites and challenges: Lecture as performance, reflection as self reflection, content as form, language as action. This blog accompanies the series of lecture performances, organized by Unfriendly Takeover in Frankfurt. Please feel free to post comments, critique, essays, bibliographies or just short remarks around the genre of lecture performances. As an continuing, ever changing definition in progress.

(3) Die Lecture Performance als selbstreflexives Genre.

A few thoughts about ‘the’ lecture performance format… (to be continued)

Vielleicht ist es diese Absage an die Ordnung der Repräsentation, die die Lecture Performance zu einem hochgradig subjektiven Format macht. Als einer der ersten und zudem sehr erfolgreicher ‚Lecture Performer’ kann der kürzlich verstorbene Spalding Gray (Mitglied von Richard Schechners Performance Group und Gründungsmitglied der später daraus hervorgegangenen Wooster Group) angesehen werden, der z.B. in Swimming to Cambodia seine eigene Biographie zum Inhalt erhob. War Grays Blick auf die eigene Geschichte – wenngleich ironisch gebrochen – ein innerlicher, intimer und selbst-offenbarender, gehen Performer in den 1990er Jahren stärker auf Distanz (zu sich selbst) und entwickeln ein selbstreflexives Spiel mit Identität(en). Im imaginativen Raum der Lecture Performance, der weder Überblick noch Geschlossenheit fingiert, verhandeln Kunstschaffende ihre eigene Arbeit und reflektieren auf ihre (künstlerischen) Lebensläufe: „And maybe theory is biography, performing it is a lecture and doing the lecture is performing“ lautet der Schlusssatz von Xavier Le Roys Product of Circumstances (im Mai im AtelierFrankfurt zu sehen).
Die Lecture Performance zeichnet sich somit durch eine Affinität zu (auto-)biographischen Inhalten aus (vgl. auch Petra Sabischs Contaminated am 27. Januar 2005 im AtelierFrankfurt) und kann auch die Arbeit, die der Aufführung sonst voraus geht, zum Inhalt machen (vgl. die Ausführungen von Pirkko Husemann am 5. August 2004 im AtelierFrankfurt und in ihren Theoriebeitragen in diesem Forum).
Wenn, wie Le Roy formuliert, Theorie immer auch Biographie ist, so begegnet uns Performance – ob im Theater oder im Hörsaal – auch und zuletzt als Erzählen der eigenen Geschichten – jedoch in Form von kleinen Erzählungen, die nicht mehr das Ganze der Geschichte von Anfang, Mitte und Ende bewältigen wollen, sondern als alltäglich (auto-)biographische Erzählungen eigener oder fremder Geschichten auftreten: lückenhaft, scheinbar widersprüchlich, das transportierte Fehler-Potential nicht tilgend (vgl. Sibylle Peters im Juni im AtelierFrankfurt).