Einhörner gibt es! In einer knapp 15-minütigen auf Englisch gehaltenen "Lecture Performance" im "atelierfrankfurt" brachte Adrian Williams den Beweis auf die Bühne: ein Einhorn selbst. Glaubhaft demonstrierte Williams - Einhorn und Performerin in einer Person -, wie das verlorengegangene Wissen um diese zu Unrecht als Fabelwesen verschriene Spezies bis heute in Gesten unseres Alltagslebens weiterlebt. Der erhobene Zeigefinger zum Beispiel, das klassische Symbol des Einhorns, bedeutet vor den Mund gehalten noch immer: Pscht - Stille! Kurzweilig, liebenswürdig und mit Themen der Kunstgeschichte ebenso wie mit der Frage nach der Manipulation der menschlichen Vorstellungswelt durch die Kunst spielend konnte Williams ihr Publikum ganz und gar überzeugen.
Das Kunst- und Theaterprojekt "Unfriendly Takeover" hatte die Künstlerin, die unter anderem an der Frankfurter Städel-Schule studiert hat, in seiner Reihe "Performing Lectures" eingeladen. "Unfriendly Takeover", das unter anderem von ehemaligen Gießener Theaterwissenschaftlern ins Leben gerufen wurde, hat in den letzten Jahren immer wieder die Schnittstellen verschiedenster Kunstgattungen untersucht oder den Gattungsbegriff selbst in Frage gestellt. Der "unfreundlichen Übernahme" fielen dabei Künste, Künstler und Räume zum "Opfer" - vom Hamburger Schauspielhaus bis zum Frankfurter Bahnhof, vom Tanz bis zur Lesung, von Musiker Frank Bretschneider bis zu der in allen möglichen Künsten heimischen Adrian Williams.
Bei der mittlerweile sechste Veranstaltung der "Performing Lectures" folgte dem kurzen Vortrag von Adrian Williams ein deutlich längerer, wenn auch nicht minder kurzweiliger: Mit Spalding Grays Film "Swimming to Cambodia" von 1987 zeigten die Veranstalter den 85-minütigen Monolog des im letzten Jahr gestorbenen Schauspielers und Gründungmitgliedes der "Wooster Group", der vor allem in den achtziger Jahren durch seine "spoken word performances" Aufsehen erregte. In "Swimming to Cambodia" verbindet Gray Informationen zu den Dreharbeiten zum Film "The Killing Fields" (1984), in dem er eine kleinere Rolle spielte, mit autobiografischen Erlebnissen und den politischen Ereignissen in Kambodscha. Obwohl in 90 Prozent des Filmes Grays Mine die Leinwand dominiert ist diese "Lecture Performance" mit ihrer Mischung aus Witz, Paranoia und Selbstreflexion keine Minute lang langweilig.
Nikola Herweg