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The consequence of impertinent standingAls die FAZ zu der Lecture Performance die Überschrift beisteuerte: „Wie das ist mit dem Erhabenen. David Weber-Krebs erklärt“, da klang das so, als hätte sich ein Bewohner des Diskursolymps herabbemüht, um den Menschen mal zu erklären, was ästhetisch Sache ist. Das war natürlich komplett falsch und auch ein bisschen daneben, andererseits aber so falsch auch wieder nicht. Natürlich wird der Eindruck, den David an dem Abend hinterlassen hat, für den einen/die eine mehr für den anderen/die andere weniger autoritär, väterlich, apodiktisch gewesen sein, ich vermute, das hängt unter anderem stark vom individuellen Emotionshaushalt ab, vor allem was kommunikative Autorität betrifft. Ich erinnere mich gut an eine Probe, bei einem meiner ersten Theaterprojekte, als eine der Performerinnen meinem Regiepartner Haiko Pfost vorwarf, er erinnere sie an ihren Vater, weswegen sie nicht wirklich gut mit ihm zusammenarbeiten könne. Mal abgesehen davon, dass wir auch nicht wirklich gut mit ihr zusammenarbeiten konnten und wir ihren Vater nicht kennen, ist das schon eine nette Anekdote. Vor allem wenn man Haiko kennt, der – damals noch gut 6 Jahre jünger und Student – ein äußerst gutmütiger und friedlicher Mensch ist, von eher graziler Gestalt und mit einer romantischen Veranlagung und besten femininen Eigenschaften ausgestattet. Es gehört aber auch nicht viel dazu, in seinem/seiner RegisseurIn eine Vater- oder Mutterfigur zu entdecken, das legt die Arbeitsteilung nahe. Das muss aber bei weitem nicht kontraproduktiv sein. Ähnlich verhält es sich mit der Vortragssituation der Performance Lecture. Ergreift man/frau die vortragende Pose – Stehen hinterm Pult wie Xavier LeRoy, Sitzen mit Zettel auf den Knien wie David – so knüpfen sich sofort erhöhte Erwartungen an das diskursive Gewicht dessen, was dann folgt, und es wird sofort eine gewisse ehrfurchtsvolle Distanz aufgebaut. Wer vom Blatt liest, kennt sich aus – was ja eigentlich absurd ist (aber vermutlich daher kommt, dass wir davon ausgehen, dass wer den Text laut liest, ihn vorher geschrieben hat. Dabei wissen wir es natürlich besser.) Bei David kommt hinzu – und da finde ich dass die FAZ (mal wieder) richtig lag – dass er seine Arbeit mit einer geradezu altmodisch anmutenden Ernsthaftigkeit und Integrität macht. Wenn David erklärt, dann erklärt er, weil er sich kurz zuvor eine Sache selbst mühsam erklärt hat und denkt, dass es diese Mühen vor allem dann wert waren, wenn er von dem nun Klaren etwas weiter geben kann. Und zwar am besten mit der ganzen Arbeit zusammen die dahinter steckt! Deswegen ist „The consequence of infinite endings“ – allein schon dieser Titel... mein Gott, was für ein Titel!! – das Ergebnis und Modell einer Forschungsarbeit, und zwar einer andauernden Forschungsarbeit zu den Bedingungen und Möglichkeiten der eigenen Kunstproduktion. Diese Ernsthaftigkeit als Arbeitsprinzip – wohlgemerkt nicht als Stil! – schließt natürlich auch das gewissenhafte Hinterfragen der eigenen Methoden und Ergebnisse mit ein. Deswegen – ja schon, und im emphatischen Sinne: David Weber-Krebs erklärt. Er erklärt, sitzend, nicht stehend, er erklärt in einem Englisch, dem man die Arbeit des Übertragens in eine fremde Sprache anhört, er erklärt sich vor seinen ästhetischen Vorbildern verneigend, sich ihnen als Material, als Figur anbietend, er erklärt sich selbst immer wieder zum Objekt seiner (und unserer) Betrachtung und Überlegungen machend, diese Überlegungen ironisierend, er erklärt sich selbst als Vortragenden infragestellend und schließlich den ganzen Vortrag in Frage stellend. Er erklärt und wird das vermutlich so lange und oft und emphatisch machen, bis wir ihm all das erklärt haben, was er wissen wollte. The permanence of infinite questioning. Ja, dass so was autoritär gefunden wird, das kann schon passieren. Das wäre dann wohl auch nicht mehr zu vermeiden. Und wie gesagt – wir kennen den Vater nicht. *** Zur weiterführenden Lektüre: Karell Gott: Der Ort (Canyon Verlag) In diesem Buch entführt sie der weltberühmte tschechische Schlagerstar Karell Gott an seinen geheimen Ort. An diesem von der kosmischen Hauptenergie geküssten Flecken Erde in einem verborgenen Winkel der Hohen Tuntra praktiziert Gott Tantra, hier meditiert Gott seit Anbeginn seiner Karriere, um so Kraft für seine Tourneen zu tanken. aus: Andres Lutz /Anders Guggisberg, Fink Forward, der Bücherkatalog By jp possmann at 2005-04-14 14:29 | David Weber-Krebs: "The consequence of infinite endings" | login to post comments | previous forum topic
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