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The art VERSUS demonstrationSibylle Peters hat recht. Das Spannende an einem Vortrag – sei er nun in erster Linie akademisch oder nicht – ist nicht das, WAS gesagt wird, sondern die Art, wie es gesagt wird. Mir jedenfalls geht es so. Konfrontiert man mich mit dem auswendig gelernten oder abgelesenen Vortrag eines ununterbrochen gleichbleibend kompetent wirkenden Vortragenden, mit anderen Worten: ist alles formal einwandfrei – dann schalte ich meistens ab, gleich wie richtig und wichtig das Vorgetragene auch sein mag. In den Momenten aber, in denen der Dozierende stockt, stottert, hustet, lacht, improvisiert, vor meinen Augen kleistisch eine Idee entwickeln zu SCHEINT oder auch nur arrogant polemisiert, in den Momenten also, in denen der Inhalt gefährdet oder verstärkt wird durch die vom Dozierenden selbst geprägte Form – da bin ich hellwach, selbst wenn ich gar nicht verstehe, was er eigentlich sagt. Klingt übertrieben, ist aber leider wirklich so. Deswegen gehe ich ja auch lieber in eine LECTURE PERFORMANCE als in eine universitäre Vorlesung; verspreche ich mir doch von ihr, dass es mindestens ebenso sehr darum geht, WIE etwas rüber kommt, wie DASS rüber kommt, worum es geht: 'the art of demonstration'. Sibylle Peters hat also recht. Und sich doch leider selbst nicht an die nahe liegenden Konsequenzen gehalten, die sich aus dieser Erkenntnis ergeben. Denn ihre Vorträge waren auswendig gelernt oder abgelesen, die für meine Aufmerksamkeit so wichtigen Stotterer und Gefährdungen größtenteils ihrem zauberkünstelndem Partner Mathias Anton überlassen, so dass uns eigentlich mehr 'the art VS. demonstration' präsentiert wurde als 'the art OF demonstration'. Was ich mir gewünscht hätte, ist etwas mehr Darbietung des charismatischen Vortrags, etwas mehr Bereitschaft zur Improvisation; letztere zumindest wurde vom zurückhaltenden Publikum ja immerhin auch erwartet. Und selbst der obligatorische Schlussteil einer jeden LECTURE PERFORMANCE, die freie Beantwortung von Fragen der Zuschauer und das improvisierte Gespräch miteinander (Le Roys letzte Sätze in 'Product of Circumstances' sind übrigens auch nicht ‚Thank you for your attention. I'd be glad to answer any questions you might have.’, sondern ‚Thank you for your questions. Have a nice evening.’) – selbst also dieser oft interessanteste Teil einer LECTURE PERFORMANCE, bei dem ich dann spätestens auch wieder hellwach bin, wurde von Sybille Peters in die so einwandfreie und auswendig gelernte Form ihres Vortrags integriert. Was für eine Vorlesung einwandfrei ist, ist es aber nicht unbedingt auch für eine LECTURE PERFORMANCE. Schließlich waren es ja gerade die unbeabsichtigten Momente der kleinen technischen Pannen, die schüchterne Zurückhaltung des Publikums und die sympathisch-unsichere Kommunikation durch Blickwechsel der beiden Performer in entscheidenden Augenblicken, die den ansonsten reibungslosen Ablauf der PERFORMANCE auf spannende Weise unterbrachen. Bleibt einzuräumen, dass das alles womöglich ja auch in ihrer Absicht lag. Vielleicht wollte Sibylle Peters ja genau das: einen vorlesungsästhetischen Gegenpol zu all den lebhaften Zauberkünstlern, den Adornos, Arendts und Lacans bilden. Vielleicht ging es ihr ja tatsächlich um eine Beweisführung EX NEGATIVO. Und aufgepasst hab’ ich ja offenbar trotzdem. By Philipp Schulte at 2005-07-03 18:31 | Sibylle Peters: "The Art of Demonstration" | login to post comments | previous forum topic
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