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freundlich winkenFreundlich die Zukunft winken Seit den Benetton-Werbekampagnen mit dem Titel "United Colors" gibt es ein neues Genre der Gruppenfotografie. Im Internet könnte das Sujet heißen: "Ein Weißer mit vielen Bunten". Der Weiße ist dann meist der Lehrer oder Entwicklungshelfer. Er steht in der Mitte, außen herum seine Schäfchen. Aber auch das Muster "Ein Schwarzer und viele Weiße" hat Stefan Kaegi gefunden. Meistens steht der Schwarze dann am Rand oder hinten. Manchmal gibt es andere Randgruppen: "Hier sind die Kinder die Schwarzen", sagt Kaegi. Das paßt nicht so recht. Denn das Theoriemotörchen, mit dem Kaegi seine Fundstücke aus der Bildersuchmaschine zu einer Lecture Performance unter dem Titel "Gruppen von Gruppen" antreibt, knattert manchmal und hat Aussetzer. Wie die behende Umwandlung der Kinder in "Schwarze" ist manche Kategorie ein wenig grob, manche These etwas zu lau geraten, um wirklich zu tragen. Anregungen zum freien Gedankenspiel allerdings liefert Kaegis kommentierte Reise durch die Gruppenfotos im World Wide Web zur Genüge. Auch Gelegenheit zum Lachen zwischen Erkenntnis und Interesse: vielleicht auch das ein Merkmal jener hybriden Kunstgattung lecture performance, deren Wesen Unfriendly Takeover ergründet. Das Echte, so eine Grundthese der Theater-Arbeiten von Kaegi, birgt genug Theatralisches. Vermischt mit Fiktivem, überhöht, auf die Bühne gestellt, lösen die Produktionen, die er zum Beispiel mit "Rimini Protokoll" realisisiert, beim Zuschauer oft ganz verblüffende Assoziationsketten und Verständnismomente aus. Außerdem machen sie Spaß. Diesmal hat Kaegi nur hundert Internetfotos mitgebracht, australische Nudisten, asiatische Ärzte, deutsche Soldaten, Medizinerkongresse. Er macht sich, ausgehend auch von der eigenen Haltung solchen Bildern gegenüber, laut Gedanken darüber, was Menschengruppen dazu bewegt, zu lächeln, der Kamera zuzuwinken und das Ergebnis, mag es ästhetisch auch noch so dürftig sein, ins Netz zu stellen. Es sind interessante Beobachtungen dabei, wie jene, daß es stets das Abweichende ist, das den Blick des Betrachters auf sich zieht: Auch in der Masse gibt es also Individualität. Bedauerlicherweise sind aber gerade die Thesen, bei denen Kaegi seinem Genre, dem Theater, ganz nahe kommt, am wenigsten überzeugend, etwa der Versuch, die Minimaldefinition von Theater - vorne steht einer, viele andere schauen zu - auf die Fotos zu übertragen. Um so anregender jedoch ist Kaegis Fazit, das eine These Bourdieus quasi weiterführt, die Kaegi am Anfang zitierte. Hatte dieser behauptet, die Familie brauche die Fotografie, um ihre Einheit zu gewährleisten und zu bestätigen, winken laut Kaegi die Menschen auf den Gruppenfotos sich selbst. Sie blicken nicht dem Betrachter entgegen, der ihr Bildnis im Internet findet. Sondern sie fixieren die Linse, in der Hoffnung auf das, was dahinter liegt: ihre Zukunft. eva-maria magel By eva-maria at 2005-11-01 15:20 | Stefan Kaegi: "V.l.n.r. - Gruppen von Gruppen" | login to post comments | next forum topic
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