"Maybe theory is biography, presenting it is a lecture, and doing a lecture is performing.
Thank you for your attention. I'd be glad to answer any questions you might have."
(Xavier Le Roy)
Lecture performances have become a popular artistic format in recent years. Even though formally quite limited they offer unique and complex possibilites and challenges: Lecture as performance, reflection as self reflection, content as form, language as action. This blog accompanies the series of lecture performances, organized by Unfriendly Takeover in Frankfurt. Please feel free to post comments, critique, essays, bibliographies or just short remarks around the genre of lecture performances. As an continuing, ever changing definition in progress.

Die Lecture Performance von Jürgen Fritz

Es liegt schon eine Weile zurück und was blieb hängen davon? Was mir vor allem noch heute präsent ist war die Körperaktivität von Jürgen Fritz. Er trat in ein vorbereitetes Eingangsbild, eine Objektinszenierung vor der Wand, bestehend u.a. aus einem Bündel zusammengebundener, in der Länge gespaltener Bambusteile. Dieses Bündel öffnete er, legte es systematisch und ruhig auf dem Boden zwischen Wand und Publikum aus und sammelte dann wieder alles zusammen. Zum Ende hin waren noch ein paar weitere Aktionen, die mir jedoch nur als für ihn anstrengend und schweißtreibend in Erinnerung geblieben sind. Die Art der Bewegung seines Körpers im Raum, die Art wie er das Bündel hielt, fast wie ein Baby, wie er die einzelnen Stäbe über den Kopf hob, waren mehrdeutig und währten über die Dauer des gesamten Vortrages. Der selbst lief als fertige Konserve von einer DVD. Ein Beamer projizierte Fotos und Texte auf die Wand hinter ihm und illustrierte die beschriebenen und zusammengefassten unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Gruppe „Black Market“ von den Anfängen in den 80ern bis in die aktuelle Gegenwart hinein. Das Zusammenspiel zwischen realer körperlicher Aktion im Raum und Text, sowie Bildprojektion samt der Pausen erschien mir wie genau aufeinander einstudiert und abgestimmt. Auf Nachfrage erklärte Jürgen jedoch, das sei zum großen Teil Zufall gewesen. Die bescheidene, symbolische und im Detail vielschichtige und sehr bildhafte menschliche Aktion vor dem Hintergrund der „medialen Erzählung“ scheint mir auch im Abstand als eine sehr gelungene Form der Demonstration der Arbeitsweise von „Black Market“, und noch dazu durch einen Einzelnen. Denn Black Market arbeitet immer im Gruppenkontext in immer wieder neuen Konstellationen mit einer fluktuierenden Anzahl internationaler Performer. Ihre Performances gehen meist über einen sehr langen Zeitraum (meist mehrere Stunden bis hin zu Tagen) unter Einbeziehung des Zufalls bei der Entstehung von unvorhersehbaren Bildern im Raum und der Zeit. Eine Performance von Black Market ist bis heute ein Abenteuer für Betrachter wie Performer, das sich vergleichen lässt mit den Improvisationen im Jazz. Wie dort lässt man sich darauf ein ohne Gewissheit, ob es zu Höhepunkten kommt oder scheitert. Der Abend mit Jürgen Fritz war jedenfalls für mich ein Gewinn.